Ein hohes Geheimnis aus alten Zeiten – Die Sage der Burgruine zu Rathen

Es sind schon viele Hundert Jahr wo die Burg Rathen mächtig war.
Zerfallen ist sie mit der Zeit, nur alt Gemäuer steht noch heut.
Die Sage geht: Steigt man hinan zu Mitternacht, und klopfet an, dann öffnet sich die alte Wand:
Mit einer Lampe in der Hand, erscheint die alte Schaffnerin und reicht man einen Krug ihr hin
Den füllt sie dann bis oben voll mit Wein - der noch dort lagern soll.
Wer aber solch edles Gut, der hol es nicht aus Übermut,
denn wenn nicht zwingt dazu die Not, dem bringt‘s Gefahr, wohl gar den Tod.

Zu Rathen in dem Erbgericht, da saßen einst beim Lampenlicht, drei reiche Schiffsherrn um den Tisch.
mit durst‘gen Kehlen wie ein Fisch,
doch schnappten sie nicht Wasser, nein: sie löschten ihren Durst mit Wein.
Es ward gezecht, getobt, gelacht, so kam heran die Mitternacht.
Und als die Wanduhr zwölfe schlug, nahm einer einen großen Krug und sprach zur Magd voll Übermut:
„He, euer Wein ist gar nicht gut!
Drum geh zur alten Burg hinauf, klopf an, der Keller tut sich auf,
es kommt die alte Schaffnerin, der gib den leeren Krug nur hin und bringst ihn zurück voll Wein, so ist ein blanker Taler dein.“

Die Magd ganz ohne Arg und Trug, nimmt in die Hand den großen Krug,
nichts wusste sie von der Gefahr, tut nur wie ihr befohlen war.
Sie eilt zur alten Burg hinan und klopft an die Mauer an.
Dann öffnet plötzlich sich die Wand, es nimmt den Krug ihr aus der Hand, ein ganz steinaltes Mütterlein,
gibt ihn zurück, gefüllt mit Wein, und spricht hierauf mit dumpfem Ton:
„Oh, töricht Mädchen! Eil davon!
Nur um die Zeit der Sonnenwend, zur Mitternacht, ist´s mir vergönnt zu geben von dem alten Wein,
kommt ein unschuld‘ges Mägdelein, und wer dann trinkt zur rechten Stund,
den hält der Wein frisch und gesund, doch Kehlen rau und ausgepicht, den Säuferkehlen frommt er nicht,
drum scheu der höher‘n Mächte Fluch, zum zweiten Mal es nicht versuch!“

Dem Mädchen überlief ein Grauen, und ohne sich nur umzuschauen,
eilt es ins Erbgericht hinein, setzt auf den Tisch den Krug mit Wein, und gibt wies war genau Bericht,
jedoch den Taler nimmt es nicht.
Die Schiffer packen an den Krug und trinken reihum Zug um Zug.

„Das ist ein Wein!“ so jeder spricht und trinkt mit schmunzelndem Gesicht,
„Das ist ein echter Feuerwein, der geht fürwahr durch Mark und Bein!“
Zur Neige geht’s, der Krug wird leer, die Becher aber wollen mehr.
Sie schlagen auf den Tisch und schrei‘n: „Geh, Maid, hol mehr vom Wein.“
Doch ob sie fluchen, bitten, fleh‘n, sie weigert sich und will nicht gehen.
Da tritt ein Schiffsherr zu ihr hin, fasst sie vertraulich an dem Kinn und spricht zu ihr:
„Du und mein Sohn liebt euch, ich weiß es, lange schon, ich hab‘s bis heute nicht gewollt, dass ihr euch beide freien sollt, doch holst du nochmals solchen Wein, soll in vier Wochen Hochzeit sein.“
Da strahlt der Jungfrau Angesicht, „ich geh sofort“, sie freudig spricht.
Mit fester und entschloss‘ner Miene eilt sie hinauf zur Burgruine:
Und mit dem Krug in der Hand klopft laut sie an die alte Wand.

Da plötzlich steht im fahlen Licht die Schaffnerin vor ihr und spricht:
„zum zweiten Male stör’st du mich, oh Mägdelein: ich warnte dich.
Doch rein und edel ist dein Sinn, dich treibt nicht schlöde Geldgewinn, es sind nicht frevelhafte Triebe, dich packte nur die Macht der Liebe; die Liebe gab dir hohen Mut, drum steh’st du unter Gottes Hut.“
Die Mauer sich zusammenschlug,- da stand das Mädchen mit dem Krug,
es hielt ihn krampfhaft in der Hand, gefüllt mit Wein bis an den Rand, und kreidebleich in dem Gesicht kam es zurück ins Erbgericht.

Sie ward gejubelt und gelacht, der Wein sofort die Runde macht, wie auch das Mädchen warnt und fleht: der Krug von Mund zu Munde geht.
Die Schiffer tranken wie betört, bis dass der Krug war ausgeleert, durch’s Fenster schon der Morgen graut, der Hahn im Stalle krähet laut, die Trinker saßen still und stumm, bleich im Gesicht am Tisch herum. Im Zimmer lag ein schwüler Duft:
Die alte Burg in reiner Luft erglänzte hell vom Morgenrot - am Tische die Trinker waren tot.

Burgchronik

1261 erster schriftlicher Nachweis eines Herrschers im Raum des heutigen Rathens. Sein Name: Theodericus des Raden. Papst Urban IV. erwähnt ihn gegenüber dem Probst von St. Thomas zu Leipzig.

um 1300 verwalten böhmische Grafen die Burg als ihr Lehen

1361 versichert Kaiser Karl IV. einem Peter von Michelsberg, dass dieser rechtens im Besitz beider Burgen (Alt- und Neurathen) steht. Lateinisch lautet die kaiserliche Zusicherung: „ambo castra ratny“.

1400 noch ist die Burg freie Herrschaft derer von Michelsberg

1406 Hinko II. Birke von der Duba erwirbt die freie Herrschaft Rathen. Johann von Michelsberg verkauft sie ihm.

1423 beginnt ein langwieriger, blutiger Streit um die Burg Altrathen. Zunächst erhält Benesch, dritter Sohn von Hinko dem Älteren, die Burg mitsamt Zubehör. Zum Zubehör zählen immerhin Rathewalde, Waltersdorf, Weißig und Prötzscha.

Benesch, einer aus dem Duba-Geschlecht, liegt wie alle Dubaer im Streit mit Friedrichvon der Oelsnitz, dem Vogt auf dem Königstein.

1426 erobert Friedrich von der Oelsnitz die Burg.

1438 die Dubaer holen sich die Burg zurück. Ein Sohn Beneschs mit dem schönen Namen Albrecht Birke von der Duba hält die Feste ein ganzes Jahr.

1439 ist für die Dubaer Schluss. Friedrich von der Oelsnitz marschiert wieder ein.

1466 Hans von der Oelnitz fällt höchst offiziell in Ungnade. Er ist Herr auf Rathen, vor allem aber Raubritter von besonders üblem Zuschnitt.

1467 beginnt die Belagerung durch den Sächsischen Kurfürst Ernst und seinen Bruder Herzog Albrecht.

1469 fällt die Burg. Raubritter Hans von der Oelsnitz kommt jedoch davon und versucht fürderhin, mit diplomatischen Tricks seine Burg zurück zu bekommen. Ungarn-König Matthias Corvinius verwendet sich für ihn.

1471 erscheint Raubritter von der Oelsnitz am 7. Februar zur Vernehmung am Dresdner Hof. Seine frechsten Hoffnungen aber erfüllen sich nicht.

1485 fällt Rathen im Zuge der sächsischen Erbaufteilung an Herzog Albrecht.In den nächsten Jahrhunderten begibt sich wenig. Die Burg verfällt, ebenso die Burg Neurathen.

1888 kauft der Dresdner Eduard Seifert die Reste der Burg und lässt diese bis 1893 als Neo-Burg wieder auferstehen.In den folgenden Jahrzehnten macht eher die Burg Neurathen mit allerlei Funden auf sich aufmerksam.

1945 wird die Burg Altrathen enteignet und an den VEB Brau und Malz Dresden gegeben. Mitte der 50er Jahre übernimmt die Staatsbank der DDR das Objekt als Ferien- und Schulungsheim.

1991 fällt die Burg Altrathen zunächst an die Kreditanstalt für Wiederaufbau, von dieser an die Treuhandanstalt.

1995 bekommen Otto Bantele und Peter Jäger den Zuschlag. Ein wichtiges Argument ist deren vorausgehendes Engagement für die Elbterrassen, für Wachwitz und für die Villa Marie in Dresden.

1997 übernimmt Katrin Tietz als Pächterin die Burg. Sie gestaltet die Burg zu einem spannenden Ort für besondere Erlebnisse.

2001 bekommt Hella Sommer die Aufgaben der Pächterin übertragen. Sie entwickeln die kulturellen Angebote der Burg konsequent auf den Geschmack der breiten Öffentlichkeit hin.